"Fahren ohne Hut" oder "Mitführen einer nicht fachgerecht umhäkelten Klorolle" - wegen dieser Ordnungswidrigkeiten werden Autofahrer derzeit in ganz Deutschland gebührenpflichtig verwarnt. Und die Sünder erscheinen mehrheitlich brav im Ordnungsamt, um ihre Bußgelder zu bezahlen.

Parkgebühren ohne Trinkgeld

Die Tatbestände, die auf der Rückseite der Knöllchen aufgeführt werden, umfassen schwere Verfehlungen wie "Nebelschlussleuchte macht nicht Schluss mit Nebel", "Heckaufkleber verletzt den guten Geschmack" oder "Parkgebühren wurden ohne Trinkgeld entrichtet".

Die Angestellten im Ordnungsamt des brandenburgischen Löwenberg wunderten sich in der letzten Woche sehr, als gleich mehrere Fahrer ihre Bußgelder gleich an Ort und Stelle bezahlen wollten - auf den Verwarnungen war keine Kontonummer angegeben worden. Keiner habe Verdacht geschöpft, berichtete Theordor Helm, Chef der Behörde, gegenüber dem Berliner Kurier, auch nicht der Verkehrsteilnehmer, der per Strafzettel zur Zahlung von 120 Euro verdonnert worden sei - wegen seines "nicht straßenverkehrtauglichen Gesichts."

Verwarnung der Stadt Entenhausen

Der Polizei des Landkreises Oberhavel gelang mittlerweile immerhin ein wichtiger Schritt bei der Aufklärung der amtsanmaßenden Knöllchenverteilung: Die Formulare stammen aus dem vorletzten Micky Maus-Heft, in dem "Verwarnungen der Stadt Entenhausen" abgedruckt waren. Als Täter kommen nach derzeitigem Stand der Ermittlungen comicbegeisterte Kinder in Frage.

Der Ehapa-Verlag, der die Micky Maus-Hefte herausgibt, freut sich über die eifrigen minderjährigen Politessen. "Nein, wir haben kein schlechtes Gewissen", erklärte Pressesprecherin Marion Egenberger gegenüber auto.t-online.de, "solche Knöllchenvordrucke veröffentlichen wir regelmäßig alle fünf bis sieben Jahre, wenn wieder eine neue Kindergeneration heran gewachsen ist."

Dabei erfreuten sich die Verwarnungen nicht nur bei der Zielgruppe großer Beliebtheit: "Ich kenne einen Richter, der bekennender Micky Maus-Fan ist. Der freut sich jedes Mal ein Loch in den Bauch, wenn wieder Knöllchen-Zeit ist. Denn dann erhält er ganz ernst gemeinte Beschwerden verunsicherter Autofahrer, die heilige Eide schwören, dass sie wirklich noch nie in Entenhausen waren und daher nicht zahlen wollen!"

(Quelle: Auto Motor und Sport auto.t-online.de)