Nach dem Urteil gegen den so genannten Autobahnraser von Karlsruhe ist die Diskussion um ein generelles Tempolimit auf Autobahnen wieder entbrannt.

Der verkehrspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Reinhard Weis, sagte am Freitag (20.2.): "Ein Tempolimit wäre sicher ein wirksames Mittel, die Verkehrssicherheit zu erhöhen." Von einem Gesetzesvorstoß auf Bundesebene hält er allerdings nichts. Erst müssten die einzelnen Länder zu einem einheitlichen Bild kommen.

Der Fraktions-Vize der Grünen, Reinhard Loske, forderte in der "Berliner Zeitung": "Das Vernünftigste wäre, wir würden auf deutschen Autobahnen ein Tempolimit von 130 Stundenkilometern einführen."

Stolpe will nicht

Widerspruch kam vom Bundesverkehrsministerium und vom Allgemeinen Deutschen Automobil-Club (ADAC). "Wir setzen auf die Vernunft der Menschen", sagte Ministeriumssprecher Felix Stenschke. Tempolimits werde es dort geben, wo es notwendig sei. ADAC-Sprecher Dieter Wirsich sagte: "Wir sind der Meinung, dass Tempolimits auch unter dem Eindruck des jüngsten drastischen und tragischen Falles nicht geeignet sind, rücksichtsloses Verhalten auf Straßen zu bekämpfen."

Die Deutsche Interessengemeinschaft für Verkehrsunfallopfer kritisierte: "Angesichts der Tatsache, dass null Promille und ein Tempolimit bisher vom Bundesverkehrsministerium abgelehnt wurden, macht es sich mitschuldig an weiteren schweren Verkehrsunfällen", sagte die Verbandsvorsitzende Angelika Oidtmann der "Berliner Zeitung".

Der verkehrspolitische Sprecher des Verkehrsclubs Deutschland (VCD), Gerd Lottsiepen, argumentierte: "Es ist eine Tatsache, dass ein Tempolimit Leben rettet." Auf einem etwa 60 Kilometer langen Teilstück der A 24 zwischen Hamburg und Berlin sei seit der Einführung eines Tempolimits von 130 km/h die Zahl der Verletzten erheblich gesunken. Die Umweltschutzorganisation BUND bezeichnete eine generelle Geschwindigkeitsbeschränkung als "zentrale Maßnahme zur Erhöhung der Verkehrssicherheit".

Das Amtsgericht Karlsruhe hatte am Mittwoch einen Daimler-Chrysler-Ingenieur zu eineinhalb Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt. Der Mann habe durch Drängelei auf der Autobahn den Unfalltod einer Frau und ihrer kleinen Tochter verursacht.

(Quelle: Auto Motor und Sport automotorundsport.de)